Wo führt das hin?
Liebe Leserinnen und Leser,
dieser Sommer hat uns viel zugemutet. Nicht wenige Menschen haben unter der Hitze gelitten. So langsam widerspricht fast niemand mehr: unser Klima erwärmt sich.
Und das ist nicht das Einzige, was Sorgen macht. Friedensbemühungen sehen wir scheitern, immer wieder. Die Bedrohung scheint ihre Finger nach uns auszustrecken. Und wir Deutsche untereinander stellen uns immer öfter und immer schärfer gegeneinander.
Viele Menschen treten dem entgegen - zum Glück. Viele suchen das Gespräch, kämpfen mit friedlichen Mitteln für Klima- und Umweltschutz und helfen Menschen in Not. Gerade in Kirche und Diakonie geschieht das. Gott sei Dank.
Aber - mindestens für die Generation der Boomer - bleibt das schale Gefühl von "wir waren doch schon mal weiter". Wie konnte es nur dazu kommen, dass wir wieder aufrüsten, resignieren, Angst haben?
Die Bibel versucht an mehreren Stellen, Zeiten der Krise als Zeichen der Hoffnung zu deuten. Ein bisschen naiv vielleicht beschreibt mancher prophetische Text das, was sich wie Weltuntergang anfühlt, als Konsequenz der Gottvergessenheit. Jesaja, z.B. oder Jeremia oder Amos. Und der "Seher", dessen Visionen das Buch der Offenbarung entfaltet, deutet die Zeichen des Untergangs als Vorboten der Rettung. Beide meinen: wann immer Menschen sich ausgeliefert fühlen, behält Gott das Heft des Handelns in der Hand.
Ja, das liest sich - oft - eben naiv. Ob Gott das wirklich alles will, was geschieht, ob Gott es detailgenau steuert und das Leiden der Schöpfung bewusst in Kauf nimmt - daran kann man schon Zweifel haben. Und mit Gott "rechten", wie Hiob. Damit ist gemeint: Gott kritische Fragen stellen, klagen, eine Begründung verlangen; und es ist auch gemeint: still werden und Gottes Antwort fühlen. Denn die muss man nicht nur suchen - und dabei selber sehr leise werden - die muss man auch aushalten.
Manchmal lautet sie wohl: "Warum hast du es zugelassen?" Und machmal: "Es ist nicht deine Verantwortung; vertrau mir! Es wird gut."
Ob wirklich hinter allem ein göttlicher Plan steht, der alles regelt und jedem Teilschritt einen Sinn gibt - wer kann das wissen?
Aber der Gedanke, dass Gott die Macht nie ganz aus der Hand gibt, ist doch ermutigend, oder? Und er eröffnet uns eine Zukunft, die größer ist, als alles, was wir selbst schaffen können.
Haben wir also Mut. Und Vertrauen.
Herzliche Grüße von Pfarrer Johannes de Fallois, Pfarrerin Dagmar Knecht und Pfarrerin Nicole Schally |